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Das musikalische Schaffen Hanns Eislers präsentiert sich in einer kaum überschaubaren stilistischen Vielfalt. Bestrebungen, vor allem in einem bestimmten musikalischen Typus oder nur in exemplarischen Werken den ›eigentlichen Eisler‹ erkennen zu wollen, müssen ihn insofern notwendig verfehlen.

Wohl distanzierte Eisler sich gegen Ende der zwanziger Jahre von der ästhetischen Haltung eines ›l’art pour l’art‹ und unterstellte sein musikalisches Schaffen gesellschaftlichen Zwecken. Als Marxist erblickte er diese Zwecke im Klassenkampf, den Interessen des Proletariats sowie dem Aufbau und Wohlergehen einer sozialistischen und schließlich kommunistischen Gesellschaft. Die musikalischen Mittel solchen Zwecken anzupassen bzw. diese Mittel überhaupt erst zu finden betrachtete Eisler als seine vorrangige kompositorische Aufgabe.

Sein gesellschaftlicher Anspruch und die musikalischen Lösungen, die Eisler fand, haben denn auch mehr als alles andere ihn und sein Werk unter der Losung ›politische Musik‹ in die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts eingehen lassen. Ausgerechnet diejenigen aber, die sich die politischen Zwecke, für die Eisler einstand, auf ihre Fahnen geschrieben hatten, […] begegneten ihm oftmals mit einer allzu engen Auffassung. Wurde er vor allem als Komponist einflussreicher Massen- und Kampfmusik in den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren, als kongenialer Mitarbeiter Bertolt Brechts und als musikalischer Urheber der DDR-Nationalhymne […] hoch geschätzt – bzw. von der Gegenseite diffamiert – so wollte man den Musterkomponisten überdies auf ästhetische Kategorien wie ›realistisch‹ oder ›antiformalistisch‹ festlegen – Kategorien, denen Eisler in ihrer doktrinären Form mit Skepsis gegenüberstand und deren problemlose Anwendbarkeit auf Musik er bezweifelte. So geriet schon zu Eislers Lebzeiten ein wesentlicher Teil seines kompositorischen Schaffens ins Abseits und in Vergessenheit. […]