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HE-Zitate über Eisler

Arnold Schönberg über Hanns Eisler (1923)

"Lieber Herr Doktor, der Überbringer dieses Briefes ist mein ehemaliger Schüler Hanns Eisler. Er wird versuchen, Ihr Interesse für seine Klaviersonate zu erwecken. Ich gebe Ihne natürlicherweise keinen Rat; denn dadurch, dass ich senerzeit x-mal die Werke von Webern und Berg empfohlen habe, ist meine Urteilslosigkeit und mein Instinktmangel wohl für alle Zeiten bewiesen." (Brief an den damaligen Leiter des Wiener Musikverlags Universal Edition, Emil Hertzka, der Eisler kurz danach unter Vertrag nahm)

Arnold Schönberg über Hanns Eisler (1947)

"Aber es ist wirklich zu dumm, dass erwachsene Menschen, Künstler, die wahrhaftig Besseres zu sagen haben sollten, sich mit Weltverbesserungstheorien einlassen, obwohl man ja aus der Geschichte wissen kann, wie all das ausgeht. Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich ihn wie einen dummen Jungen übers Knie legen und ihm 25 heruntermessen und ihn versprechen lassen, dass er nie mehr seinen Mund aufmacht und sich auf Notenschreiben beschränkt. Dafür hat er Talent und das andere soll er andern überlassen." (Brief an Josef Rufer, nach Eislers Verhör vor dem Ausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Tätigkeiten)

Theodor W. Adorno über Hanns Eisler

"Eisler. Ungeheure, in dieser Zeit paradoxe Facilität, aber nicht der Schablone, sondern eher Ausdruck ungeheurer Geistesgegenwart, Promptheit des Reagierens; in ihr manifestierte am deutlichsten sich das Politische des Naturells." (Notizen über Eisler, 1966)

Charlie Chaplin über Hanns Eisler

"Kennen Sie Hanns Eisler?" sagte ein Reporter. "Ja, er ist ein sehr lieber Freund von mir und ein großer Musiker." – "Wissen Sie, dass er Kommunist ist?" – "Es ist mir gleichgültig, was er ist; meine Freundschaft gründet sich nicht auf Politik." – "Sie scheinen aber die Kommunisten zu mögen", sagte ein anderer. (Die Geschichte meines Lebens, 1964)

Stephan Hermlin über Hanns Eisler

"Eisler und Busch wandten sich an das Publikum und fragten nach seinen Wünschen. Von den Tischen her rief man ihnen die Titel der Lieder zu, die man hören wollte. Ich weiß noch, wie ich mit einer Art von Entsetzen bemerkte, dass Eisler manchmal mit der geballten Faust auf die Tasten schlug. Zugleich belustigte mich meine eigene Empörung. Ich klatschte und schrie wie die anderen Zuhörer, obwohl ich es bis dahin nicht für möglich gehalten hatte, dass man auf diese Weise Klavier spielen könne." (Über Eislers Auftritte mit Ernst Busch ab 1929/1930 in Berlin)

Clifford Odets über Hanns Eisler

"Als ich zur Arbeitsprobe eintraf, arbeitete Hanns bereits mit seinen Musikern. Das ließ mir das Herz schneller schlagen – die Musik! Nicht etwa das neue Bühnenbild. Was für ein exzellenter Arbeiter Hanns ist! Wie er diese Burschen auf Zack brachte, sie umdrehte, sie unterwies, ihnen schmeichelte, sie antrieb – und genau die Ergebnisse erzielte, die er haben wollte." (Über die Arbeit an der Bühnenmusik zu Odets Theaterstück Night Music)

Thomas Mann über Hanns Eisler

"Ich kenne den Mann recht gut, er ist hoch gebildet, geistvoll, im Gespräch sehr amüsant, und oft habe ich mich mit ihm, namentlich über Wagner, glänzend unterhalten. Als Musiker ist er, nach dem Urteil all seiner Kollegen, ersten Ranges." (1947)

Gisela May über Hanns Eisler

"Eislers Musik ist revolutionär, und alles was revolutionär ist, ist meiner Meinung nach auch immer aktuell, hier und anderswo."

Sergej Tretjakov über Hanns Eisler

"Ich habe 1931 auf einer Berliner Straße gesehen, wie ein dicker Polizist in grüner Uniform und mit Kneifer in einen Zug von kleinen Kindern hineinstürmte. Er ohrfeigte die Kinder mit weißbehandschuhten Händen und riss sie an den Ohren. Warum? Sie sangen ein Eisler-Lied."